der Abgeordneten Jutta Blatzheim-Roegler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Förderung für Gründerinnen – Drucksache 3536 –


Die Kleine Anfrage – Drucksache 17/3356 – vom 22. Juni 2017 hat folgenden Wortlaut:

Nur drei von zehn Unternehmen in Deutschland werden von Frauen gegründet. Damit ist die Anzahl der Gründerinnen immer noch deutlich kleiner als die der Gründer. Auch die Quote der Selbstständigen ist bei Frauen viel geringer als bei Männern (7 gegen- über 14 Prozent). Das gilt auch für Rheinland-Pfalz, wo nur ein Drittel der Selbstständigen Frauen sind. Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1. Welches Förderangebot und welche Beratungsangebote gibt es für gründungswillige Frauen in Rheinland-Pfalz und in welchem Umfang wurden die Angeobte in den letzten fünf Jahren in Anspruch genommen?
2. Wie und in welchem Umfang wird die Vernetzung selbstständiger Frauen in Rheinland-Pfalz unterstützt?
3. Welche Formen der öffentlichkeitswirksamen Anerkennung (Auszeichnungen/Preise) gibt es für Frauen, die erfolgreich ge- gründet haben? Welche Kriterien liegen der Vergabe zugrunde?
4. In welcher Weise wird nachhaltiges Unternehmerinnentum gefördert?

Das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 13. Juli 2017 wie folgt beantwortet:

Zu Frage 1:
Neben dem allgemeinen Förder- und Beratungsangebot, das von Frauen und Männern gleichermaßen in Anspruch genommen werden kann, werden im Folgenden Förder- und Beratungsangebote für gründungswillige Frauen in Rheinland-Pfalz aufgeführt:

– regionale Qualifizierungsmaßnahmen durch die LandFrauen Rheinland-Pfalz und den Verein Familie & Beruf e. V. Altenkirchen,
– der beim Wirtschaftsministerium seit 2007 eingerichtete Landesarbeitskreis zur Förderung von Gründerinnen und Unternehmerinnen in Rheinland-Pfalz (LAK),
– die beim Wirtschaftsministerium angesiedelte rheinland-pfälzische Regionalvertretung der „bundesweiten gründerinnenagentur“ (bga), die das einzige deutschlandweite Kompetenz- und Servicezentrum zur unternehmerischen Selbstständigkeit und Unter- nehmensnachfolge von Frauen darstellt,
– eine Zusammenarbeit mit Unternehmerinnennetzwerken wie dem VdU – Verband deutscher Unternehmerinnen,
– die Beteiligung an Informationsveranstaltungen und Unternehmerinnenmessen,
– Durchführung des Unternehmerinnentages,
– das Projekt „Führungskompetenz - Weibliche Nachwuchsführungskräfte fördern, Unternehmen stärken“ des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
– die Maßnahme Gründungsparcours „Von der Gründerin zur Unternehmerin“ der BIC Kaiserslautern GmbH,
– modellhafte Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, wie beispielsweise das Projekt „Handwerk attraktiv Rheinland- Pfalz“.

Die Angebote wurden in den letzten fünf Jahren entsprechenden den bereitgestellten Kapazitäten wahrgenommen. An der Qualifizierungsreihe des Vereins Familie & Beruf e. V. waren pro Jahr durchschnittlich 13 Teilnehmerinnen beteiligt.

Das Projekt Gründungsparcours „Von der Gründerin zur Unternehmerin“ der BIC Kaiserslautern GmbH wurde im Durchschnitt pro Jahr von 22 Teilnehmerinnen in Anspruch genommen.

Das Projekt „Führungskompetenz“ erreicht mit 15 Teilnehmerinnen pro Jahr seine maximale Teilnehmergrenze.

An dem regionalen Kompetenztraining der LandFrauen Rheinland-Pfalz haben jährlich im Durchschnitt 185 Frauen teilgenommen.

Die Sitzungen des LAK wurden durchschnittlich pro Jahr von 34 Teilnehmerinnen besucht.

Die Unternehmerinnenmessen sind jedes Jahr ein erfolgreiches größeres Angebot. An der Messe in Ingelheim nahmen beispielsweise im Durchschnitt 43 Ausstellerinnen teil. Die Besucherzahlen sind in den letzten fünf Jahren von rund 1000 auf über 2000 angestiegen.

Der landesweite Unternehmerinnentag hat bereits zum zwölften Mal stattgefunden. In den letzten fünf Jahren haben sich dafür im Durchschnitt 185 Frauen pro Veranstaltung angemeldet.

Zu Frage 2:
Die Vernetzung selbstständiger Frauen in Rheinland-Pfalz wird durch verschiedene Angebote und Maßnahmen der Landesregierung gestärkt. So hat die Ministerpräsidentin den Landesrat für digitale Entwicklung und Kultur einberufen. Er ist zur Hälfte mit Frauen besetzt und setzt sich auch für die Förderung von Gründerinnen ein. Die Ministerpräsidentin lädt am 4.September 2017 zu einem „Gründe- rinnen-Lunch“ ein. Das Treffen speziell für weibliche Unternehmerinnen in der Gründungsphase soll Raum für Netzwerkbildung, Erfahrungsaustausch und Diskussion bieten. Frauen sollen zum Gründen motiviert werden. Sie verbindet der Wunsch nach weib- lichen Vorbildern, nach Austausch und Vernetzung. Sie stehen auch häufiger vor der Frage, ob sie ein finanzielles Risiko eingehen können, angesichts von Kindern und Familie. Frauen präsentieren ihre Gründungsideen auch auf den zahlreichen Veranstaltungen im Land wie Start Up Slams und Start Up Weekends, die von der Landesregierung unterstützt werden.

Die Vernetzung wird insbesondere durch den Unternehmerinnentag gefördert, der bisher jährlich landesweit als zentrale Veranstaltung in Mainz stattfand. Bereits in diesem Jahr und künftig sind zwei Unternehmerinnentage in unterschiedlichen Regionen vorgesehen; in diesem Jahr in Mainz und in Speyer.

Der seit dem Jahr 2007 bestehende Landesarbeitskreis zur Förderung von Gründerinnen und Unternehmerinnen in Rheinland-Pfalz fördert durch Veranstaltungen wie etwa Unternehmerinnenfrühstücke ebenfalls die Vernetzung selbständiger Frauen.

Des Weiteren steht das Wirtschaftsministerium in engem Austausch mit Unternehmerinnennetzwerken, beispielsweise mit dem Netzwerk „Die Unternehmerinnen“, ein Netzwerk für haupt- und nebenberufliche Unternehmerinnen, Freiberuflerinnen und Existenzgründerinnen.

Zu Frage 3:
Eine Auszeichnung ist u.a. im Rahmen „Attraktiver Arbeitgeber“ möglich, wobei dort kein frauenspezifischer Ansatz vorhanden ist.

Die Auszeichnungskriterien für „Attraktiver Arbeitgeber Rheinland-Pfalz“ sind Zukunftsfähigkeit, Innovationsgehalt und Kreativität, Motivation, Zielsetzung und Nachhaltigkeit, Übertragbarkeit bzw. Eignung für den Mittelstand, Umsetzung in der Praxis.

Weitere Auszeichnungen können und haben Frauen im Rahmen der Gründungswettbewerbe „1, 2, 3 Go“, „Ideenwettbewerb Rheinland-Pfalz“ und „Pioniergeist“ erhalten. Aber auch diese Wettbewerbe beruhen auf keinem frauenspezifischen Ansatz.

Zu Frage 4:
Die Förderung eines nachhaltigen Unternehmerinnentums geschieht insbesondere durch die Förderung von Gründerinnen und das „Sichtbarmachen“ in der Öffentlichkeit, so z. B. im Rahmen des Unternehmerinnentages oder durch das Unternehmerinnenfrühstück im Handwerk.

Dies trägt dazu bei, für die Perspektive der Selbstständigkeit von Frauen zu sensibilisieren, zu ermutigen und bei Frauen und Mädchen Unternehmergeist durch zielgruppenspezifische Ansprache und das Sichtbarmachen von Vorbildern zu wecken.

 

Dr. Volker Wissing
Staatsminister

 

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