23.01.2019

Kleine Anfrage 17/8200

der Abgeordneten Andreas Hartenfels und Jutta Blatzheim-Roegler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Verwendung von Torf im Gartenbau
Drucksache 17/8364


Die Kleine Anfrage – Drucksache 17/8200 – vom 23. Januar 2019 hat folgenden Wortlaut:

Wie aus der Berichterstattung rund um den Moorbrand aus Meppen im Dürresommer 2018 deutlich wurde, sind Moorflächen mit ihren Torferden sehr große CO 2-Senken, welche nicht nur durch einen Brand das gespeicherte Treibhausgas CO 2 wieder freigeben können. Moore sind nicht nur prägend für das Landschaftsbild vieler Gegenden, sie sind auch wert volle Biotope und Lebensraum von zahlreichen seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Beim Abbau von Torfen werden Moore entwässert und der Torf Schicht für Schicht ab gegraben. Durch die Belüftung zersetzt sich der Torf und setzt das gebundene CO 2 sowie wei tere Treibhausgase frei – in Deutschland belaufen sich die Emissionen von CO 2-Äquivalenten durch Torfabbau auf jährlich ca. 1,9 Millionen Tonnen. Der abgebaute Torf wird hauptsäch lich gärtnerisch in Blumen- und Pflanzenerde genutzt. Gleichwertige, torffreie Alternativen, wie z. B. Terrapreta, sind bereits zu niedrigen Preisen auf dem Markt, werden bisher aber nur wenig nachgefragt.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Landesregierung:
1. Wie bewertet die Landesregierung den Abbau von Torferden in Rheinland-Pfalz, aber auch europaweit und die Verwendung vor allem im Garten- und Landschaftsbau (z. B. als Blumenerde) vor dem Hintergrund der Einhaltung der Klimaschutzziele?
2. Welche Projekte gibt es vonseiten der Landesregierung, um den Schutz und die Rena turierung/Wiedervernässung unserer rheinland-pfälzischen Moore/Hangbrücher sicherzustellen?
3. Ist der Landesregierung bekannt, welche torfhaltigen Produkte aus anderen Bundes ländern, bzw. aus dem Ausland nach Rheinland-Pfalz importiert werden (bitte nach Herkunft und Produktklasse tabellarisch einordnen)?
4. Welche Möglichkeiten sieht die Landesregierung, um die Verwendung und den Import von torfhaltigen Produkten langfristig zu verringern und einzuschränken?
5. Welche gleichwertigen, umweltfreundlichen Alternativen gibt es für den Rohstoff Torferden im Gartenbau?
6. Welche Möglichkeiten sieht die Landesregierung, um die Bekanntheit alternativer Substrate zu steigern?
7. Werden die landeseigenen Betriebe wie die Dienstleistungszentren angehalten und unterstützt, torffreie Produkte zu verwenden?


Das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 15. Februar 2019 wie folgt beantwortet:

Zu Frage 1:
Die Verwendung von Torf kann klimaschädliche Gase wieder freisetzen. Im Hinblick auf die Klimaschutzziele ist die Verwendungvon Torf – unabhängig von der Herkunft – daher kritisch zu sehen und möglichst zu vermeiden.

Hinsichtlich der Verwendung von Torf im Garten- und Landschaftsbau wird auf die Antwort zu Frage 5 verwiesen.

Zu Frage 2:
Aufgrund seiner Geomorphologie sind Moore in Rheinland-Pfalz gering ausgeprägt. Rund 7 500 ha Moore sind bisher in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Mit umfangreichen Projekten wurden und werden Moore geschützt und renaturiert. In folgenden Projekten werden derzeit Moor-Renaturierungen vorgenommen: LIFE+ Hochwald im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, AktionGrün Projekt Oberschockelbruch. Abgeschlossen ist das Life Projekt Moore in Eifel und Hunsrück. In der Diskussion befindensich Moorrenaturierungen im Projekt Bänder des Lebens. Daneben werden auch kleinere und kleinste Moorflächen im Rahmender Biotopbetreuung renaturiert.

Zu Frage 3:
Nach EU-Düngemittelverordnung muss der freie Warenverkehr für in der EU zugelassene Produkte für alle Mitgliedsstaaten gelten. Die gehandelten Produkte werden beim Import nicht dokumentiert, sofern sie den EU-Vorgaben entsprechen. Deshalb sindkeine Angaben über die gehandelten Produkte möglich.

Zu Frage 4:
Da im Rahmen des freien Warenverkehrs keine Einschränkungen zulässig sind, ist es Ziel der Landesregierung, über entsprechende Informationen zum Einsatz von torffreien Produkten die Nutzung von Torf zurückdrängen.

Zu Frage 5:
Seit mehr als 30 Jahren wird zu Torfersatzstoffen geforscht. Die heute erhältlichen Torfsubstitute werden insbesondere im Hobbygartenbau und im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt. Dabei finden in größerem Umfang Kompost, Holzfasern, Rindenhumus und Kokos (Fasern und Mark), in kleinerem Umfang Reisspelzen, Dinkelspelzen, Kokoschips, Holzhäcksel, Flachs-und Hanfschäben, Maisstroh und Torfmoose (Sphagnum) Verwendung.

Für den professionellen Zierpflanzen- und Gemüsebau wurden bislang jedoch noch keine Rohstoffe gefunden, die alle Parameterdes Torfs genauso zuverlässig erfüllen und in erforderlichen Mengen und Qualitäten zur Verfügung stehen.

Verfügbarkeit, Kosten, Eigenschaften (v. a. Bedarf an Bewässerung, Düngung und Pflanzenschutz) und Risiken der genannten Torfersatzstoffe sind unterschiedlich, weswegen verschiedene Substratmischungen geprüft werden. Anbauversuche im Blumen- und Zierpflanzenbau zeigen, dass mittlerweile einige vielversprechende torffreie Substratalternativen existieren. Für viele Kulturen fehlenderzeit jedoch noch zuverlässige Substratmischungen. Forschung und Versuchswesen der Länder und des Bundes werden intensivfortgesetzt.

Zu den Fragen 6 und 7:
Das Thema „Torfersatzstoffe“ wird im Beratungs- und Versuchswesen am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz sowie über das bundesweite Netzwerk „Versuchswesen Gartenbau“ bearbeitet, und entsprechendes Wissen und Informationen werden über Fachtagungen und digitale Beratungsangebote verbreitet (www.hortigate.de ).

Das DLR Rheinpfalz beteiligt sich aktuell außerdem an dem BMEL-Projekt „Einsatz torfreduzierter Substrate für die Jungpflanzenanzucht mit Erdpresstöpfen im Gemüsebau“ gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Das Projekt soll im September 2020 abgeschlossen werden.


In Vertretung:
Daniela Schmitt
Staatssekretärin

 

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