19.11.2019

Kleine Anfrage 17/10621

der Abgeordneten Jutta Blatzheim-Roegler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Entwicklung des Radwegverkehrs in Rheinland-Pfalz
Drucksache 17/10833


Die Kleine Anfrage – Drucksache 17/10621 – vom 19. November 2019 hat folgenden Wortlaut:

Die rheinland-pfälzische Landesregierung setzt seit Jahren konsequent auf das Fahrrad. Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1. Wie hat sich das Radwegenetz in Kilometerzahl seit dem Jahr 2010 entwickelt (bitte getrennt nach Radwegekilometern entlang von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen sowie selbstständig geführten Radwegekilometern)?
2. Wie viele Kilometer Radwege sind seit dem Jahr 2010 nach dem rheinland-pfälzischen Wegwei sungssystem zur einheitlichen Radwegebeschilderung ausgeschildert worden?
3. Wie haben sich die Kapazitäten zur Fahrradmitnahme in den Nahverkehrszügen seit dem Jahr 2010 entwickelt?
4. Wie hat sich seit dem Jahr 2010 das busgestützte Transportangebot „RegioRadler“ entwickelt?
5. Wie viele Haushaltsmittel sind seit dem Jahr 2010 für den Bau von Radwegen verausgabt wor den (bitte getrennt nach Landes- und Bundesmitteln)?
6. Wie hat sich die Nutzung des Fahrrads seit dem Jahr 2010 entwickelt (bitte getrennt nach Alltagsradverkehr und touristischem Radverkehr)?
7. Wie hat sich der Umsatz der rheinland-pfälzischen Fahrradbranche seit dem Jahr 2010 entwickelt?


Das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 10. Dezember 2019 wie folgt beantwortet:

Sowohl das Fahrrad als auch das Pedelec sind aufgrund ihrer geringen Raumansprüche und des Entfallens jeglicher Emissionen im Betrieb ein besonders ökologisches und ökonomisches Verkehrsmittel vor allem für kürzere Strecken. Im Zusammenwirken mit dem ÖPNV können sie überdies Teil einer Mobilitätskette zur Erschließung des Raumes sein und einen wertvollen Beitrag bei der vollständigen Anbindung desselben an das Nahverkehrsnetz leisten. Die Abdeckung des ländlichen Raumes durch den ÖPNV kann dadurch deutlich verbessert werden. Dabei zeigt sich die Attraktivität von Pedelecs anhand der rasch steigenden Verkaufszahlen, die im Jahr 2019 in Rheinland-Pfalz bei ca. 50 000 Stück mit einem Verkaufswert von 100 Mio. Euro liegen dürften.

Zur Ausschöpfung dieses Potenzials muss das Radroutennetz bedarfsgerecht entsprechend ausgebaut werden. Planungsgrundlage für die Weiterentwicklung der außerörtlichen Radwegeinfrastruktur ist dabei das großräumige Radwegenetz Rheinland-Pfalz. Es wird regelmäßig unter Berücksichtigung von Verbesserungsvorschlägen kommunaler Gebietskörperschaften überprüft und bei Bedarf fortgeschrieben.

Darüber hinaus können Radschnellverbindungen und Radvorrangrouten dem Radfahrer und auch dem Pedelecfahrer das schnelle und effiziente Zurücklegen weiterer Strecken ermöglichen. Rheinland-Pfalz hat im Jahr 2014 eine Potenzialstudie erstellen lassen, in der die für die Anlage von Radschnellverbindungen sieben aussichtsreichen Korridore im Land benannt werden. Zunächst werden vier Korridore planerisch bearbeitet („Mainz – Ingelheim – Bingen“, „Schweich – Trier – Konz“, „Oberrhein zwischen Karlsruhe/Wörth und Worms“ und „Neustadt – Landau“). Dort sollen mit finanzieller Unterstützung des Landes sogenannte Pendler-Radrouten als Radvorrangrouten entstehen. Die verbleibenden drei Korridore („Koblenz bis Neuwied und Boppard“, „Kaiserslautern – Landstuhl“ und „Remagen/Linz – Bonn“) sollen ebenfalls in dieser Legislaturperiode planerisch begonnen werden.

Dies vorausgeschickt, beantworte ich die Kleine Anfrage wie folgt:

Zu Frage 1:
Zwischen dem 1. Januar 2010 und dem 31. Dezember 2018 konnte das rheinland-pfälzische Radwegenetz um folgende Baulängen erweitert werden:

Unselbstständige Radwege im Zuge von Bundesstraßen 86 km,
Unselbstständige Radwege im Zuge von Landessstraßen 60 km,
Unselbstständige Radwege im Zuge von Kreisstraßen 23 km,
Selbstständige Radwege in kommunaler Baulast 88 km.

Zu Frage 2:
Seit dem 1. Januar 2010 wurden in Rheinland-Pfalz 3 235 km Radwege gemäß der „Hinweise zur wegweisenden und touristischen Beschilderung für den Radverkehr in Rheinland-Pfalz“ (HBR) beschildert.

Zu Frage 3:
Aufgrund der aus Sicht der Landesregierung hohen Bedeutung der Fahrradbeförderung in Zügen wurden diesbezüglich die Kapazitäten in den letzten Jahren in jeder Ausschreibung von Teilnetzen im Schienenpersonennahverkehr in Rheinland-Pfalz erhöht. Dies erfolgt beispielsweise durch die Forderung nach einer entsprechenden Größe der Mehrzweckabteile, die als Abstellmöglichkeit für Fahrräder dienen. Je nach Fahrzeuggröße wird so ein Bereich für 12 bis 24 Stellplätze angeboten. Die Anzahl der Abstellplätze für Fahrräder pro Zug ist abhängig von der Größe des eingesetzten Fahrzeugs und der Anzahl der Fahrzeuge pro Zug. Ein direkter statistischer Vergleich der seit dem Jahr 2010 jährlich vorhandenen Zahl an Fahrradstellplätzen ist nicht möglich, da hierzu keine detaillierten Daten vorliegen. Es ist jedoch von einer deutlichen Steigerung der Kapazitäten für Fahrräder in diesem Zeitraum auszugehen.

Zu Frage 4:
Im Zeitraum von 2010 bis 2019 wurde das Fahrtenangebot der RegioRadler von jährlich 13 800 auf 20 000 Fahrten und damit um 45 Prozent gesteigert. Im selben Zeitraum hat sich damit die Anzahl der zur Verfügung stehenden Fahrradplätze von jährlich ca. 282 000 auf ca. 333 000 Plätze und damit um 14 Prozent erhöht. Die Diskrepanz der Steigerungen ergibt sich aus unterschiedlichen Transportformen für die Fahrräder im Rahmen der einzelnen RegioRadler-Linien. Während im Jahr 2010 überwiegend Fahrradanhänger eingesetzt wurden, sind die heutigen Transportangebote vielfältiger und ermöglichen damit, auch auf nicht so stark nachgefragten Linien eine angemessene Fahrradbeförderung anzubieten.

Noch nicht berücksichtigt in diesen Zahlen sind die neuen RegioRadler, die im Rahmen des ÖPNV-Konzepts Nord erst im Spätsommer 2019 gestartet sind. In der Saison 2020 ist daher nochmals mit einer spürbaren Steigerung der zur Verfügung gestellten Kapazitäten zu rechnen.

Zu Frage 5:
In Rheinland-Pfalz wurden zwischen dem 1. Januar 2010 und dem 31. Dezember 2018 rd. 52 Mio. Euro Bundesmittel für den Bau von Radwegen im Zuge von Bundesstraßen sowie rund 25 Mio. Euro Landesmittel für den Bau von Radwegen im Zuge von Landesstraßen investiert. Das Land hat überdies den Bau von Radwegen in kommunaler Baulastträgerschaft mit rd. 21 Mio. Euro finanziell gefördert.

Zu Frage 6:
Zahlen zur Entwicklung des Radverkehrs liegen aus der Befragung Mobilität in Deutschland aus den Jahren 2008 und 2017 vor. Demnach ist der Anteil des Fahrrads am Modal Split von 6 Prozent im Jahr 2008 auf 8 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Im Jahr 2017 waren 36 Prozent aller Fahrten Freizeitfahrten und 32 Prozent waren Fahrten zum oder vom Arbeits-, Ausbildungs- oder Dienstort. Diesbezüglich war die Entwicklung im Vergleich zum Jahr 2007 nahezu konstant.

Zu Frage 7:
Zu den Umsätzen der Fahrradbranche in Rheinland-Pfalz liegen der Landesregierung keine Angaben vor.


Dr. Volker Wissing
Staatsminister


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